Die 28. Jahrestagung des Arbeitskreises zur Erfassung, Erschließung und Erhaltung historischer Bucheinbände (AEB) fand vom 16. bis 18. Oktober 2025 in der Universitätsbibliothek Freiburg im Breisgau statt. Zum Auftakt gab eine Ausstellung im Tagungsraum Gelegenheit,sich auf Ort und Thema einzustimmen. Marcus Schröter, Leiter des Dezernats Historische Sammlungen, Digitalisierung und Bestandserhaltung, hatte zusammen mit Matthias Hageböck (Sprecher des AEB) eine kleine Auswahl aus dem Bestand getroffen. Der Fokus lag zum einen auf dem Lokalkolorit, wie die Karl May-Ausgaben desFreiburger Verlegers Friedrich Ernst Fehsenfeld zeigten, und zum anderen auf technischen und materiellen Besonderheiten, wie Lederschnittdekor oder seltenen Buntpapieren.
Zur Eröffnung begrüßten die Direktorin der Universitätsbibliothek Freiburg, Dr. Antje Kellersohn, und Matthias Hageböck die rund 60 Teilnehmer. Matthias Hageböck überreichte im Anschluss den Dedikationsband als Gastgeschenk, den in diesem Jahr Susanne Natterer aus Freiburg angefertigt hatte. Bei der Gestaltung des Einbandes ließ sich die Buchbindermeisterin von den japanischen Büchern mit seitlicher Heftung inspirieren, die ein Beitrag im Inneren des Heftes zum Thema hat. Durch die Heftung auf Gegenfälze und die in sich beweglichen Deckel ähnelt das Aufschlagverhalten des Bandes dem von japanischen Büchern. Im anschließenden Abendvortrag sprachen Marcus Schröter und Christoph Schmider, Leiter des erzbischöflichen Archivs, über Freiburger Sammlungen-Freiburger Einbände und stellten jeweils ihre Institution und deren Bestände vor.
Zur Eröffnung begrüßten die Direktorin der Universitätsbibliothek Freiburg, Dr. Antje Kellersohn, und Matthias Hageböck die rund 60 Teilnehmer. Matthias Hageböck überreichte im Anschluss den Dedikationsband als Gastgeschenk, den in diesem Jahr Susanne Natterer aus Freiburg angefertigt hatte. Bei der Gestaltung des Einbandes ließ sich die Buchbindermeisterin von den japanischen Büchern mit seitlicher Heftung inspirieren, die ein Beitrag im Inneren des Heftes zum Thema hat. Durch die Heftung auf Gegenfälze und die in sich beweglichen Deckel ähnelt das Aufschlagverhalten des Bandes dem von japanischen Büchern. Im anschließenden Abendvortrag sprachen Marcus Schröter und Christoph Schmider, Leiter des erzbischöflichen Archivs, über Freiburger Sammlungen-Freiburger Einbände und stellten jeweils ihre Institution und deren Bestände vor.
Marcus Janssens aus dem Stadtarchiv Neuss bestritt mit Auferstanden aus Ruinen. Die Sicherung und Zugänglichmachung des historischen Buchbestandes der Stadt Neuss (1450-1850) den ersten Vortrag und begann mit einem Einblick in die Entstehung der heutigen Sammlung. Sie hatte ihren Ursprung im 19. Jahrhundert in der Bibliothek des örtlichen Altertumsvereins und ging 1912 in die Bestände des Museums der Stadt Neuss über. Dieses wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört und der historische Buchbestand erlitt starke Beschädigungen und Verluste. Nach der Bergung durch Neusser Bürger und Schüler wurden die Bücher nur provisorisch getrocknet und gereinigt und auf drei Institutionen aufgeteilt. 2021 konnten die insgesamt 20.000 Medien aus der Stadtbibliothek und dem Stadtarchiv Neuss sowie dem Clemens Sels Museum Neuss im Stadtarchiv zusammengeführt werden. Im Zuge dieser Umlagerung erfolgte die Reinigung von Bauschutt und aufliegendem Schimmel und die Aufnahme der Schäden. Starke Deformationen mit Rissen und Fehlstellen sowie lose Bestandteile und abgetrennte Einbände waren ebenso zu verzeichnen wie Schäden durch Insekten und Mikroorganismen. Im Zuge der Umlagerung konnten aus Zeitgründen nur kleinere Sicherungsmaßnahmen und einfache Rückformungen inklusive der Versorgung mit Schutzverpackungen ausgeführt werden. Größere Restaurierungen wurden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Im Zuge der Maßnahmen ermöglichten bindetechnische Merkmale, Einbände wieder mit ihrem Inhalt zusammenzuführen. Leider wurde dieser Punkt nur kurz erwähnt und nicht mit Bildbeispielen ausgeführt, letzteres hätte den Vortrag im Rahmen einer Tagung zur Einbandforschung bereichert. Neben den konservatorischen Maßnahmen wurde der Gesamtbestand über eine eigene Signatur katalogisiert und dabei gleichzeitig einer Revision unterzogen. Auch offenen Fragen zur Provenienz wurde innerhalb des Projektes nachgegangen.
Die folgenden beiden Vorträge lenkten den Blick ins benachbarte Elsass. Rémy Casin aus der Stadtbibliothek Les Dominicains in Colmar sprach über Einbände aus der Dominikaner-Bibliothek in Colmar. Diese wurde an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert gegründet und im Zuge der Säkularisation 1803 zur Stadtbibliothek. Die Sammlung wurde im Laufe des 19. und 20. Jahrhundert erweitert und umfasst 1200 Handschriften – ein Drittel davon aus den großen Abteien des Oberelsass, 2300 Inkunabeln, 10.000 Bände aus dem 16., 25.000 aus dem 17. und 18. sowie 5.000 aus dem 19. Jahrhundert. Zwischen 2018 und 2022 wurde das Bibliotheksgebäude grundlegend saniert und die Aufbewahrungssituation in den Magazinen und die Präsentation der Sammlung verbessert. In den neuen Ausstellungsräumen, die eine Fläche von 500 m2 einnehmen, wird anhand von hundert Objekten die Geschichte des Buches im Oberelsass vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert nachgezeichnet. Die mittelalterlichen Bände werden in der ehemaligen Sakristei des Klosters gezeigt, die in die Ausstellungsräume mit einbezogen wurde.
Im Zuge des Vortrags gab Rémy Casin einen Überblick über den Bestand und zeigte neben mittelalterlichen Objekten Einbände à la dentelle, Supralibrosbände, Trauer- und Dedikationseinbände, Zwillingsbände sowie Einbandgestaltungen des 19. Jahrhunderts aus der Sammlung Méquillet. Im Altbestand wurden die Inkunabeln zu 90 Prozent systematisch beschrieben und katalogisiert. Bei der Erschließung wurden Details wie Einträge auf den Spiegeln, die im gezeigten Fall Angaben über die Kosten der Schließen machten, oder Ausstattungsmerkmale wie punzierte Goldschnitte, Buntpapiere und historische Schutzhüllen erfasst. Die Katalogisierung der Handschriften erfolgte 1969 und wurde seither nicht vertieft, darüber hinaus sind bisher nur 50 von ihnen digitalisiert worden. Deshalb hatte der Vortrag zum Ziel, das Interesse für den Bestand zu wecken, dessen tiefere Erschließung neue Erkenntnisse zur Entwicklung der oberrheinischen Buchherstellung verspricht.
Christophe Didier begab sich mit seinem Vortrag Auf der Suche nach Mr. X: über einige Straßburger Einbände und die Geschichte der Bibliothèque nationale et universitaire zurück in die Zeit zwischen 1871 und 1918, als das Elsass mit Teilen Lothringens zum Verwaltungsgebiet des deutschen Reiches gehörte. Die Straßburger Stadtbibliothek wurde im deutsch-französischen Krieg im August 1870 durch einen Brand komplett zerstört und 300.000 Objekte gingen verloren. In der Folge rief der Donaueschinger Hofbibliothekar Karl August Barack zu Bücherspenden auf und der Bestand konnte durch Schenkungen und einen hohen Erwerbungsetat bis 1875 wiederaufgebaut werden. Unter Baracks Leitung wurde die Bibliothek 1872 zur Kaiserlichen Universitäts- und Landesbibliothek. Heute umfasst der Bestand 4,5 Millionen Dokumente, darunter 8000 Handschriften und 2120 Inkunabeln.
Eine Zustandsprüfung der Inkunabeln, die seit 2022 von den zuständigen Restauratoren durchgeführt wurde, ergab, dass die historischen Bestände im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert häufig einer Reparatur bzw. Restaurierung unterzogen wurden, um die Benutzbarkeit wiederherzustellen. Dabei wurde das alte Leder nahe der Falzkanten durchtrennt, vom Rücken entfernt und der neue Bezug aus Schafsleder dann auf Stoß eingesetzt. Die Bünde wurden herausgearbeitet und die Längskanten am Übergang zum alten Leder mit einer Rollenprägung verziert. Zusätzlich erfolgte eine Fixierung mit Sattelstichen über dem Kapital. Die Einheitlichkeit der Maßnahmen spricht für eine Hand bzw. eine Werkstatt in Straßburg. Das bis jetzt noch keine Werkstattzuschreibung erfolgen konnte, liegt laut Christophe Didier nicht zuletzt daran, dass die Akten aus dieser Zeit in Sütterlin geschrieben wurden und sich noch kein Forscher gefunden hat, der sich dieser Akten angenommen hätte. Insofern war auch dieser Vortrag ein Aufruf an interessierte Kollegen.
Da der Vortrag von Pater Matthias Schäferhoff aus Bochum-Stiepel Die Klosterbibliothek Stiepel und die Sammlung Dr. Prill – Ein bibliophiler Schatz im Ruhrgebiet ausfiel, blieb etwas mehr Raum zweier Kollegen zu gedenken: Dag-Ernst Petersen und Mechthild Lobisch. Das langjährige Vorstandsmitglied des AEB und ehemaliger Leiter der Stabsstelle Restaurierung und Erhaltung der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel, Dag-Ernst Petersen, ist am 16. Juli 2025 im Alter von 82 verstorben. Für den AEB hat Reinhard Feldmann aus Münster einen Nachruf verfasst, der auf der Homepage abgerufen werden kann (https://einbandforschung.staatsbibliothek-berlin.de/2025/09/05/dag-ernst-petersen/). Der Nachruf von Almuth Corbach und Katharina Mähler aus Wolfenbüttel wurde auf der Homepage der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Archiv-, Bibliotheks- und Graphikrestauratoren veröffentlicht (https://iada-home.org/wp-uploads/2025/10/BB_2025-05.pdf).
Mechthild Lobisch, Buch- und Einbandgestalterin und Professorin an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, verstarb am 30. September 2025. Ein Nachruf für sie findet sich auf der Homepage der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (https://www.burg-halle.de/artikel/a/nachruf-auf-prof-mechthild-lobisch-buch-und-einbandkuenstlerin-und-hochschullehrerin-an-der-burg-giebichenstein-kunsthochschule-halle).
Am Nachmittag schlossen sich die Workshops und Führungen an. Matthias Hageböck lenkte in seinem Workshop den Blick von den beeindruckenden Gestaltungen des Paul Bonet (1889–1971) für Handeinbände auf dessen Entwürfe für den Pariser Verlag Gallimard. Zwischen 1941 und 1967 lieferte Bonet Vorlagen für die Gestaltung der Verlagseinbände, innerhalb der Reihe Cartonages de la NRF insgesamt für 324 Titel. Seine Handschrift ist hier eindeutig zu erkennen und zeigt, wie seine Entwürfe mit bewegtem Linienspiel auch in der Serienproduktion für die Vorzugsausgaben in Papier- und Leineneinbänden umgesetzt wurden.
Alternativ bestand ein Führungsangebot; Marcus Schröter erläuterte die Ausstellung zu den Freiburger Einbänden und Christoph Schmider gab einen Einblick in die Bibliothek des erzbischöflichen Ordinariats und stellte ausgewählte Bände vor.
Das gemeinsame Abendessen im Ganter Brauausschank am Freiburger Münster gab Gelegenheit für Austausch und Diskussion und schloss den Tag ab.
Die Teilnehmer bekamen am Freitag mit dem Vortrag Ein Leben zwischen Musik und Buch. Der Orgelbauer Patrick Collon und seine Bibliothek einen Einblick in die Einbandsammlung dieses Brüssler Bibliophilen. Patrick Collon (*1942) war in erster Ehe mit der Schwester der Restauratorin Ilse Mühlbacher aus Wien verheiratet, die die Verbindung zum AEB herstellte. Er baute über 40 Jahre sehr erfolgreich Orgeln in aller Welt und entdeckte schon früh seine Liebe zum Buch. Über Micheline de Bellefroid (1927–2008), die von 1966 bis 1987 die Sektion für Buchbinderei an der Ecole Nationale supérieure des Arts visuels de La Cambre (ENSAV) in Brüssel leitete, lernte er seine zweite Frau, die Buchbinderin Jaqueline Liekens, kennen. Diese Verbindung zu La Cambre spiegelt sich in seiner Sammlung wider, die Bände von Micheline de Bellefroid, Jaqueline Liekens, Henri Noulhac, Flammarion Vaillant, René Aussourd und Margot Nyst enthält. Daneben finden sich Einbände von weiteren namhaften europäischen Buchgestaltern, wie Henry van de Velde mit Entwürfen für den Inselverlag, sowie aufwendig gestaltete englische Verlegereinbände.
Edwin Bloemsaat aus Den Haag wandte sich mit seinem Vortrag Farbenfroh und reich verziert. Kolorierte Pergamenteinbände. Ein Versuch, ihre Entstehung und Verbreitung über Europa im 18. Jahrhundert zu erschließen einer speziellen Einbandgattung zu. Gefärbte, vergoldete und bemalte Pergamentbände fanden im 17. und 18. Jahrhundert häufig für religiöse Texte Anwendung. Neben – meist protestantischen – Gebetbüchern und Gesangbüchern wurde gefärbtes Pergament auch als Bezugsmaterial für Stammbücher, Almanache und Stimmbücher eingesetzt. Besonders die bemalten Bände wurde aufgrund ihrer Anmutung in der Einbandkunde zum Teil als volkstümlich eingestuft. Ein Blick in die zeitgenössische Buchbinderliteratur legt nahe, dass es sich um eine gängige Technik handelte, deren Gestaltungprinzipien und Stempelmaterial den Lederbänden vergleichbar war.
Edwin Bloemsaat zeigte auf, dass die frühesten Bände wohl in Deutschland entstanden sind, wie ein Exemplar in der Anna Amalia Bibliothek in Weimar belegt. Die Technik verbreitete sich über Deutschland, wie er mit Beispielen aus Stade, Seligenstadt, Braunschweig, Wittenberg und Ettal demonstrierte. Bekannt sind auch die Debrecen Style Bindings aus dem ungarischen Raum, die u.a. im Református Kollégium Múzeum in Debrezin und im Museum für angewandte Kunst in Budapest zu sehen sind. Das Vorkommen in den Niederlanden dokumentierte er mit gefärbten und goldgeprägten Pergamentbänden an Almanachen sowie Bänden von Jacobus Cornelis Schoots van Cappelle und Zacharias Romberg, die in Amsterdam tätig waren. Ein dänischer marmorierter Einband und Beispiele aus Schweden von Frederik Bong belegen die Verbreitung in Skandinavien. Edwin Bloemsaat spannte in der Folge den Bogen von einfarbigen Pergamentbänden aus Frankreich über Beispiele des 19. Jahrhunderts aus London und einem Einbandentwurf aus dem Jugendstil bis ins 20. Jahrhundert und schloss seinen Vortrag mit einem von André Derain lasierend bemalten Pergamentband.
Um Pergament und seinen Einsatz am Buch ging es auch im Vortrag Liturgische Einbandfragmente bei Drucken und Handschriften von Iris Lindenmann aus der Universitätsbibliothek Basel. Beschäftigte sich der Vortrag von Stefan Morent, Professor an der Eberhard Karls Universität Tübingen, auf der AEB-Tagung in Stuttgart 2022 mit der Erfassung der liturgischen Fragmente in Baden-Württemberg, lenkte Iris Lindenmann den Fokus auf die Bestände des Frey-Grynaeischen Instituts in Basel.
Johannes Grynaeus (1705–1744) studierte Jura und in der Folge orientalische Sprachen und Theologie, bevor er 1738 Professor für Theologie wurde. Er vermachte seinen Besitz Johann Ludwig Frey (1682–1759), der ebenfalls Theologie studiert hatte. Frey lehrte ab 1706 Katechetik und orientalische Sprachen und wirkte ab 1711 als Professor für Geschichte und ab 1737 für Theologie an der Universität Basel. Er stiftete 1747 das Frey-Grynaeische Institut mit Bibliothek, um an seinen Kollegen und Freund Grynaeus zu erinnern.
8500 Bände des Bibliotheksbestandes werden seit über 100 Jahren als Depositum in der Universitätsbibliothek Basel aufbewahrt. Unter den Halb- und Ganzpergamentbänden fanden sich 124, die in Fragmente aus liturgischen Handschriften gebunden sind. Von den 1200 Büchern im Frey-Grynaeischen Institut weisen 17 Fragmente mit Musiknotationen auf. 2012 wurden diese in der internationalen Datenbank Répertoire International des Sources Musicales (RISM) erfasst. Mit RISM und Fragmentarium stehen geeignete Plattformen für deren Nachweis zur Verfügung, die Fragmente sind aber bisher nicht systematisch im Katalog der Universitätsbibliothek erfasst und damit nicht direkt abfragbar. Aus diesem Grund möchte Iris Lindenmann ein Projekt mit dem Ziel auflegen, die Fragmente als eigenständige Handschriften zu katalogisieren. Die Signatur sollte dann aus der Signatur des Trägerbandes mit dem Zusatz Einband bestehen. Hierfür könnte ein Datenimport aus RISM sowie ein Austausch mit Fragmentarium erfolgen. Ein Querverweis zwischen Katalogisat des Trägerbandes und des Einbandes ist ebenso angedacht wie die Bereitstellung eines vollständigen Digitalisats. Auch eine Ausweitung auf die Fragmente im Inneren der Bücher (Vorsätze, Hinterklebung, Kapitalträger, Fälze und Lagenverstärkung) und auf den übrigen Bestand wäre wünschenswert, wirft aber die bekannten Probleme auf. Die Suche lässt sich weder auf einzelne Fachbereiche noch auf ein Zeitfenster eingrenzen.
Stefan Schmatz aus Göttingen gewährte mit seiner Präsentation Der Erfolgsschriftsteller Karl May und sein Freiburger Verleger Fr. E. Fehsenfeld. Buchgestaltung und -ästhetik seit über 130 Jahren einen Einblick in seine umfangreiche Sammlung von Karl May-Ausgaben und damit in deren Geschichte von den Anfängen bis heute. Zu Beginn stand die wechselvolle Biografie Karl Mays (1842–1912), die Rezeption seiner Werke sowie die kritische Auseinandersetzung in der wissenschaftlichen Forschung der letzten Jahre. Trotz der aktuellen Rassismus- und Kolonialismusdebatte plädierte Stefan Schmatz für die humanistische und völkerverbindende Weltsicht Mays, die seine Werke für ihn immer noch lesenswert machen.
Stefan Schmatz Begeisterung für das Thema spiegelt sich in über 250 Publikationen zu Karl May. Als Sammler liegt sein Augenmerk auf den verschiedenen Ausgaben und Einband- sowie Ausstattungsvarianten, angefangen von den ab 1889 veröffentlichten Jugenderzählungen in Halbleinen mit Farblithographie auf dem Vorderdeckel und der roten Prachtausgabe der Stuttgarter Union, die ab 1890 mit Bildtafeln in sechs Bänden erschien. 1891 begann die fruchtbare Zusammenarbeit mit Friedrich Ernst Fehsenfeld (1853-1933), der Kontakt zu Karl May aufnahm und ihn als Verleger zu einem der erfolgreichsten deutschen Unterhaltungsschriftsteller aufbaute. Die ersten Bände erschienen in Teillieferungen, wobei je zehn Hefte in farbigen, teilweise illustrierten Umschlägen einen Band ergaben. Ab 1892 erschienen verschiedene Ausgaben. Zum einen Bände in Interimsbindung, die Bibliotheken und Privatsammler nach ihren eigenen Standards und Vorstellungen einbinden konnten. Zum anderen eine Ausgabe in Halbfranzbänden und die bekannte grüne Fehsenfeldausgabe in Kleinoktav mit Rückenprägung und gedrucktem Deckelbild. Die Gestaltung des Coverbildes wurde im Laufe des Jahrzehnts immer wieder variiert und dem Zeitgeschmack angepasst. Ab 1904 prägten die Jugendstilentwürfe des Künstlers Sascha Schneider (1870–1927) sowohl die grüne Standardausgabe – hier sind nur wenige Titel belegt – als auch eine gesonderte Jugendstiledition in verschiedenen Gewebefarben. Das Bild auf dem Vorderdeckel wurde in der 30-bändigen Ausgabe, die ab 1907 in blauem Gewebe, als Broschur oder Ganzlederband erschien, durch Illustrationen im Inneren ersetzt. Die Entwürfe dafür beruhten auf Gouachen und Federzeichnungen verschiedener Künstler. Es folgten Luxusausgabe in Kalbleder und Saffian sowie Separatausgaben (1900/1906 u. 1907/1910). Nach der Jahrhundertwende brachen die Buchverkäufe aber ein und bedingt durch zahlreiche Prozesse und ruiniertes Ansehen befand sich May im Jahr 1912 auf dem absoluten Tiefpunkt. Nach seinem Tod gründeten Friedrich Ernst Fehsenfeld, Euchar Albrecht Schmid und Klara May 1913 in Radebeul bei Dresden den Verlag der Karl-May-Stiftung Fehsenfeld & Co. und führten die grüne Fehsenfeldausgabe mit zusätzlicher Angabe am Fuß des Rückens fort. Ab 1915 firmierten sie unter dem Namen Karl-May-Verlag, der bis heute besteht. Bedingt durch beide Weltkriege und die schlechte wirtschaftliche Situation in der Zwischenkriegszeit änderte sich das Erscheinungsbild der Ausgaben und deren Ausstattung mehrmals bis in die Nachkriegszeit. 1959 siedelte der Verlag nach Bamberg über und behielt das Design der grünen Leinenausgabe in den wesentlichen Merkmalen bei. Ab 1996 war der Verlag dann auch wieder in Radebeul vertreten und behauptet sich bis heute als einer der wenigen monothematischen Verlage weltweit.
Die Exkursion am Nachmittag führte zur ehemaligen Benediktinerabtei St. Peter auf dem Schwarzwald. Dort nahm Hans Otto Mühleisen die Teilnehmer mit auf eine kurzweilige Führung durch die Klosterkirche St. Peter, den wunderschönen barocken Bibliothekssaal und seine wechselvolle Geschichte, sowie den Festsaal mit seinem Deckenfresko.
Für den barocken Neubau in den 1720er Jahren zeichnete Peter Thumb als Architekt verantwortlich, die Fresken der Klosterkirche führte Franz Joseph Spiegler und die Skulpturen Joseph Anton Feuchtmayer aus. Unter Abt Ulrich Bürgi konnte der Bibliothekssaal noch bis zum Gewölbeansatz errichtet werden. Aufgrund der französischen Besetzung des Breisgaus im Jahr 1744 verzögerten sich die Bauarbeiten zu Amtszeit des Abts Benedikt II. Wülberz für elf Jahre. Sein Nachfolger Abt Philipp Jakob Steyrer forcierte die Fertigstellung der Bibliothek, da sie für ihn einen hohen Stellenwert hatte, wie sich auch im Bildprogramm der Fresken ablesen lässt. Unter Abt Ignatius Speckle wurde St. Peter nochmals zu einem geistigen Zentrum und der Bibliotheksbestand wuchs auf ca. 20.000 Bände an. Im Zuge der Säkularisation gelangten diese 1806 in die Badische Hofbibliothek in Karlsruhe und die Universitätsbibliothek Freiburg, andere gingen an Privatpersonen oder verloren. Ca. 1000 Bände blieben in St. Peter und wurden durch das 1842 gegründete Priesterseminar genutzt. Darunter befand sich eine Koberger-Bibel aus dem Jahr 1483, eine in Basel gedruckte Erstausgabe von Thomas Morus Utopia und 120 Inkunabeln sowie einige Handschriften. Eine Kooperation von Badischer Landesbibliothek, Freiburger Universitätsbibliothek, dem Landesarchiv Baden-Württemberg sowie dem Generallandesarchiv Karlsruhe rekonstruierte den Bestand aus St. Peter ab 2009 und begann mit der Digitalisierung, sodass bereits ein Teil in der Virtuellen Bibliothek St. Peter online einsehbar ist.
Die 29. Jahrestagung wird vom 15. bis 17. Oktober 2026 von der Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaft in Görlitz und in Kooperation mit den polnischen Kollegen ausgerichtet.
Karin Eckstein











