Erschliessung

Bucheinbände erfassen und erschließen

Schauen Sie uns über die Schulter: Um vergleichende Analysen der Einbandforschung zu ermöglichen, werden zunächst Beschreibungen erfasst. Die Basis für eine normierte Einband-Katalogisierung hinsichtlich notwendiger Inhalte und Reihenfolge ihrer Auflistung wurde bereits 1927 gelegt. Den seinerzeit abgestimmten Entwurf findet man dargelegt von Johannes Hofmann im ZfBB 44 (1927) 498-503. An den Inhalten hat sich bis heute wenig geändert.

Nach Recherchen und einer sorgfältigen Einbandanalyse, erfolgt eine strukturierten Erfassung der Einbandbeschreibung in der Einbanddatenbank (EBDB), unserem Verbundkatalog (im Falle von Drucken), im Handschriftenportal (im Falle von Handschriften) oder in einem Wiki. Im Beispiel wird das Vorgehen für die Einbanddatenbank gezeigt.

Durchreibungen Ebd 81-2

Durchreibungen eines Einbandes der Einbandsammlung

Recherchen in der Einbanddatenbank

Zu Beginn stehen Recherchen in der Einbanddatenbank (EBDB). Hier werden Einbanddurchreibungen von Bucheinbänden des 15. und 16. Jahrhunderts in einem speziell auf die Anforderungen dieser besonderen historischen Objekte entworfenen Erfassungsmoduls formal und inhaltlich erschlossen. In der Datenbank können Recherchen nach den einzelnen buchbinderischen Einheiten (den Kulturobjekten – KOD) und nach den verwendeten Werkzeugen vorgenommen werden. Darüber hinaus steht ein stetig wachsender Motivthesaurus für die Suche zu Verfügung.

Ein interessantes Beispiel ist der Einband zu dem Druck „CORPVS Doctrinae Christianae…“ von Philipp Melanchthon, Straßburg bei Theodosius Rihel 1580 (Signatur: Ebd 81-2). Bei diesem Einband handelt es sich um einen sogenannten Kurfürsteneinband, also ein bereits zur Zeit der Gründung der Churfürstlichen Bibliothek Berlin vorhandenes Exemplar. In der Einbanddatenbank findet man die entsprechende Werkstatt bereits mit der Zitiernummer w000478 für einen anderen Einband.  Das o.g. Exemplar wird ausführlich unter der Zitiernummer k005234 beschrieben. Es wurde 1589 in Magdeburg in der Werkstatt eines Buchbinders, der das Kürzel C.K. verwendete, gebunden und enthält Prägungen durch zwei Platten und drei Rollen.

Einbandanalyse

Im Vorfeld einer entsprechenden Analyse steht die Erfassung der bibliographischen Daten des gebundenen Werkes und die Aufnahme der Abmaße. Für eine umfassende Beschreibung eines Bucheinbandes muss dann zunächst eine eingehende Untersuchung aller Einbandelemente durchgeführt werden. Dazu gehört auch die Bestimmung der verwendeten Materialien, der gezeigten Motive und der für die Prägungen verwendeten Werkzeuge.

Sind Buchschließen verwendet worden und sind sie noch erhalten? Wurde der Buchschnitt verziert? Welche Techniken, zum Beispiel bei der Heftung wurden angewandt? Zusätzlich interessant sind Fragen nach eventuell bereits auf anderen Einbänden verwendeten Werkzeugen (Stempel, Rollen und Platten), Motiven und historischen Zusammenhängen. Kann eine konkrete Provenienz ermittelt werden, wurde der Einband zum Beispiel für einen bestimmten Auftraggeber hergestellt? Im Idealfall können mit einer gründlichen Analyse die Entstehungszeit, der Ort, die Werkstatt und der Buchbinder ermittelt werden.

Einband mit Blattweisern im Bibliothekskataog ‚StaBiKat Classic‘

Auch der Buchschnitt und seine Gestaltung gehört zu den in eine Einbandanalyse einfließenden Informationen. Dieses Exemplar enthält kugelförmige Blattweiser aus Leder, die zum raschen Auffinden bestimmter Textstellen dienten. Signatur: Dq 9026 : R

Auch der Buchschnitt und seine Gestaltung gehört zu den in eine Einbandanalyse einfließenden Informationen. Dieses Exemplar enthält kugelförmige Blattweiser aus Leder, die zum raschen Auffinden bestimmter Textstellen dienten. Signatur: Dq 9026 : R

Bucheinband aus der Magdeburger Werkstatt C.K. mit der Zitiernummer EBD k005234

Bucheinband aus der Magdeburger Werkstatt C.K. mit der Zitiernummer EBD k005234

Digitalisierung

Als Grundlage für die Erfassung der nach Recherchen und Analyse vorliegenden Informationen in der Einbanddatenbank (EBDB) dienen Digitalisate. In der Regel werden Scans des gesamten Einbandes und der einzelnen Werkzeuge angefertigt.

Darüber hinaus werden bereits in analoger Form vorliegende Durchreibungen digitalisiert oder Digitalfotos erstellt. Auch bei der Digitalisierung vollständiger Werke für die Digitalisierten Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin werden Bucheinbände mit Vorder- und Rückendeckel sowie ggf. mit Rücken und Buchschnitt gescannt.

Dieser Einband in den Digitalisierten Sammlungen

Erfassung und Veröffentlichung

Alle fachlichen Informationen und Images werden in die Datenbank eingegeben und miteinander verknüpft. Hierzu zählen allgemeine Angaben zur Signatur, der besitzenden Institution und dem Aufbewahrungsort sowie kurze bibliografische Informationen, am besten mit einer bibliografischen Nummer – wie hier ins VD16. Hinzu kommen Provenienzinformationen und die im Detail ermittelten Angaben zu Werkstatt, Werkzeugen und Einbandelementen wie Material und Farben der Buchdeckel, Bezüge und Bünde sowie von Kapital und Schnitt.

Diese miteinander in Verbindung stehenden Entitäten werden zuletzt veröffentlicht und stehen somit für Recherchen und Vergleiche zur Verfügung.

Die Einbandbeschreibung in der Einbanddatenbank (EBDB)

Beschreibung des Einbandes in der EBDB: Zitiernummer

Beschreibung des Einbandes in der EBDB: Zitiernummer k005234