Einbanderhaltung

Restauratorische Bearbeitung eines Holzeinbandes aus dem 16. Jahrhundert

Restauratorische Bearbeitung eines Holzeinbandes aus dem 16. Jahrhundert

Die Staatsbibliothek zu Berlin hat als Archivbibliothek die dauerhafte Aufbewahrung ihrer Bestände zur Aufgabe. Dabei sollen diese benutzbar bleiben. Um Schäden an den häufig wertvollen Materialien zu verhindern, werden die Sammlungen unter besonderen konservatorischen Bedingungen in geschützten Magazinbereichen aufbewahrt. Eine achtsame und proaktive Praxis der Bestandserhaltung, die bereits bei der Magazinierung und Benutzung der Bestände greift, kann Schäden und beschleunigte Alterung vermeiden. Zu den präventiven Maßnahmen der Bestandserhaltung für Sonderbestände gehören auch das Verpacken fragiler Objekte in Schutzkartons (alterungsbeständige Kassetten, Schuber, Mappen). In den vergangenen Jahren konnten viele Historische Drucke durch eine bestandsschonende Digitalisierung geschützt werden, darunter über 50 Exemplare aus der Einbandsammlung.

In der Staatsbibliothek existiert mit einer Restaurierungswerkstatt, einer Buchbinderei und einer Einbandstelle ein anerkanntes Kompetenzzentrum für die Erhaltung von Bibliotheksbeständen, das auf langjährige Erfahrungen und entsprechende Spezialkenntnisse zurückgreifen kann. Mit der Generalsanierung des Hauses Unter den Linden entstanden für die Arbeit modern ausgestattete Werkstätten. Gerade die Wiederherstellung historischer Bucheinbände erfordert besonderes handwerkliches Geschick und restauratorisches Wissen. Ein herausragendes Unternehmen war diesbezüglich das Projekt „Erfurter Bibel“ (1999-2007).

Bei der Finanzierung restauratorischer Arbeiten wird die Bibliothek vor allem vom Verein Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V. unterstützt. Mit der Übernahme von Buchpatenschaften kann Hilfe für geschädigtes Kulturgut geleistet werden.

Von der Restaurierung eines Bucheinbandes
aus dem 16. Jahrhundert

Der Einband zu dem Exemplar mit der Signatur Bg 2233 aus der Sammlung 16. Jahrhundert wies schwere Schäden auf. Vor allem die Ecken und Kanten haben sich gelöst und die zum Einbinden benutzten Makulaturbögen, die Vorder- und Rückendeckel festigen sollten, wurden sichtbar. In der Restaurierungswerkstatt der Staatsbibliothek zu Berlin wurde der Einband 2017 gründlich untersucht und rundum erneuert. Die Lagen in Vorder- und Rückendeckel wurden herausgelöst und können nun gesondert in bestandsschonenden Boxen aufbewahrt werden und so der Forschung zur Verfügung stehen.

Dionysius: Enarrationes piae ac eruditae in XII. prophetas minores. Köln 1533 im Bibliothekskatalog ‚StaBiKat Classic‘

Erfahren Sie mehr über die Restaurierung:

Restaurierung eines Einbandes aus dem 16. Jahrhundert in der Staatsbibliothek zu Berlin - Signatur: Bg 2233 S16

Restaurierung eines Einbandes aus dem 16. Jahrhundert in der Staatsbibliothek zu Berlin

Beschädigter Einband mit den sichtbar gewordenen Makulaturbögen, die für die Festigung der Einbanddeckel verwendet wurden.

Beschädigter Einband mit den sichtbar gewordenen Makulaturbögen, die für die Festigung der Einbanddeckel verwendet wurden.

Vorbereitung

Zunächst wird der Erhaltungszustand des Werkes geprüft und untersucht. Der Buchblock ist durch die Jahrhunderte relativ gut erhalten und nur etwas von Wurmfraß befallen. Für den Druck der Vorsätze wurde chamoisfarbenes Büttenpapier verwendet. Es gibt handschriftliche Eintragungen am Rand, die auch Tintenfraß aufweisen. Außerdem sieht man Spuren eines Wasserschadens, der im oberen Bereich braune Flecken verursacht hat. Ob der Band vielleicht bei einem Transport geschädigt wurde? Der Bucheinband ist stärker beschädigt als der Buchblock. Das Leder, mit dem die Einbanddeckel bezogen wurden, ist stark abgerieben, besonders an den Ecken und Kanten. Im Einbandleder und auf den Deckeln finden sich Spuren von Insektenfraß und von Feuchtigkeit. Die ursprünglich vorhandenen Bindebänder sind nur noch fragmentarisch vorhanden; jedoch kann man ihre Position durch die teilweise ausgerissenen Löcher erkennen. Die gegautschten Deckelpappen sind an den Kanten und Ecken ausgedünnt, abgerundet und gespalten, so dass sich die einzelnen Schichten voneinander lösen.

Restaurierung

Nach der Prüfung folgen die restauratorischen Maßnahmen und Behandlungsmethoden. Zunächst wird der Buchblock und speziell der Vorsatz behutsam mit Latexschwämmen gereinigt. Mit Hilfe von Feuchtkompressen werden dann die Vorsatzpapiere von den Deckelpappen getrennt und mechanisch mit einem Spatel das Einbandleder von den Pappen gelöst. Dabei wird deutlich, dass noch Überreste von der Fleischseite des Leders an der Pappe kleben. Die Trennung der einzelnen Pappdeckelschichten erfolgt in einem warmen Wasserbad und mit Hilfe eines Teflonspatels. Dabei muss besonders vorsichtig und teilweise millimetergenau vorgegangen werden. Mit einem Wassertropfentest werden nun die auf den Vorsätzen verwendeten Tinten auf Wasserlöslichkeit und Eisenbestandteile geprüft. Im Ergebnis kann festgestellt werden, dass die Tinten wasserbeständig sind und nur geringe Mengen an Eisen-Ionen enthalten. Durch das Wässern konnte auch viel überflüssiger Heißleim entfernt werden, so dass das Papier der Vorsätze und Spiegel deutlich heller wirkt.

Die verklebten Schichten der Makulaturbögen werden geloest.

Die verklebten Schichten der Makulaturbögen werden geloest.

Vorbereitung eines neuen Einbandes, der historische Elemente enthalten wird.

Vorbereitung eines neuen Einbandes, der historische Elemente enthalten wird.

Letzte Arbeiten

Die nun einzeln vorliegenden Blätter, werden noch einmal gewässert, nachgeleimt, mit Japanpapier stabilisiert und gesondert aufbewahrt. Der Originalbuchblock wurde am Rücken mit Pergament hinterklebt. Diese Verklebung ist verhärtet und kann ihre Funktion nicht mehr erfüllen. Sie wird mit Hilfe von Feuchtkompressen gelöst und entfernt. Anschließend wird der Buchblockrücken abgeleimt und erhält eine neue Hinterklebung mit Flügelfälzen aus Japanpapier, das mit einem Weizenstärkekleister befestigt wird. Beidseitig werden insgesamt drei Lagen des Buchblocks mit Leinenzwirn nachgeheftet und dabei die Bundergänzungen umheftet. Anschließend werden die Vorsätze wieder vor- bzw. nachgeheftet. Die Kapitalbänder werden in der Verbindung zum Buchblockrücken rückseitig mit dünnem Japanpapier und Weizenstärkekleister stabilisiert. Neue Deckelpappen aus je drei Lagen Löschkarton und einem beidseitigen Bezug aus Amalfi-Papier werden angefertigt. Die jeweils äußere Deckelseite erhält zudem einen Bezug aus braunem Moriki-Papier, um sich später farblich besser dem Originalleder anzupassen. Im Anschluss werden die Deckelpappen eingepresst und getrocknet. Das Originalleder am Rücken und die Fehlstellen an den Ecken und Kanten werden mit eingefärbtem neuem Ziegenleder ergänzt und unterlegt. Danach kann das historische Leder auf den neuen Deckelpappen verklebt werden. Die Vorsätze werden mit Kleister verstrichen und wieder mit den Deckelpappen verklebt. Der Tintenfraßschaden innerhalb des Buchblocks kann mit beschichtetem Japanpapier gesichert werden.

Fertigstellung

Das restauratorische Kunstwerk ist vollendet. Der wieder vollständige Bucheinband des 16. Jahrhunderts enthält in diesem Fall nun auch Materialien der Neuzeit, die ihn ergänzen und festigen und eine weitere, schonende Benutzung für die Forschung ermöglichen. Zur Aufstellung im Tresormagazin werden zusätzlich Buchboxen angefertigt, in denen der Band und die nun einzelnen Makulaturbögen aus dem Originaleinband aufbewahrt werden.

Die Restaurierung des Einbandes ist fertiggestellt.

Die Restaurierung des Einbandes ist fertiggestellt.